Verfahren
Feuchtigkeit in Wand und Estrich messen
Kein Handmessgerät zeigt an, wie viel Wasser in einer Wand steckt. Es zeigt einen elektrischen Kennwert, der mit Feuchte zusammenhängt — ein Wert wird daraus erst, wenn Verfahren, Material und Messstelle zusammenpassen. Vier Verfahren stehen dafür zur Verfügung, und sie beantworten vier verschiedene Fragen.
Daraus folgt: Ein Zahlenwert ohne Angabe des Verfahrens, des Materials und der Messstelle ist nicht überprüfbar. Deshalb steht am Anfang und am Ende einer Trocknung ein Messprotokoll, und deshalb lohnt es sich zu wissen, was darin stehen muss.
- Bauteilfeuchte
- Die Bauteilfeuchte ist der Wasseranteil eines Baustoffs, bezogen auf dessen Trockenmasse und angegeben in Masseprozent. Sie beschreibt den Zustand des Materials — anders als die relative Luftfeuchte, die den Zustand der Raumluft beschreibt.
- Direkt bestimmen lässt sich die Bauteilfeuchte nur, indem eine Materialprobe gewogen, getrocknet und erneut gewogen wird. Alle Geräte, die man an eine Wand hält oder in sie hineinsticht, messen etwas anderes — elektrischen Widerstand oder ein elektrisches Feld — und schließen daraus auf die Feuchte. Dieser Schluss ist materialabhängig und deshalb die eigentliche Fehlerquelle.
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Zum FormularVier Verfahren und was sie zeigen
Die Reihenfolge folgt dem Aufwand: von der schnellen Übersicht bis zum zerstörenden Referenzverfahren.
Kapazitive Messung (Streufeldmessung)
Prinzip
Ein Sensor wird auf die Oberfläche gesetzt und erzeugt ein elektrisches Feld, das einige Zentimeter in das Bauteil reicht. Die gemessene Änderung hängt vom Wassergehalt ab.
Was es zeigt
Zerstörungsfreier Überblick über eine Fläche: Wo ist es feuchter als nebenan? Gut geeignet, um die Ausdehnung einer feuchten Zone abzugrenzen.
Wo die Grenze liegt
Liefert einen dimensionslosen Anzeigewert, keine Masseprozent. Reagiert auf Metall, Bewehrung, Hohlräume und Leitungen hinter der Oberfläche und erfasst nur die oberflächennahe Schicht.
Widerstandsmessung
Prinzip
Zwei Elektroden werden in das Material eingebracht; gemessen wird der elektrische Widerstand zwischen ihnen, der mit steigender Feuchte sinkt.
Was es zeigt
Feuchte an genau der Stelle, an der die Elektroden sitzen — und, über eingeschlagene Elektroden in verschiedenen Tiefen, ein Tiefenprofil.
Wo die Grenze liegt
Bauartbedingt punktuell und für Holz kalibriert. In mineralischen Baustoffen verfälschen gelöste Salze das Ergebnis nach unten, weil sie unabhängig von Wasser leiten. Hinterlässt Einstichlöcher.
CM-Messung (Calciumcarbid-Methode)
Prinzip
Eine Materialprobe wird zerkleinert, abgewogen und in einer Stahlflasche mit einer Ampulle Calciumcarbid geschüttelt. Das Wasser der Probe reagiert zu Acetylen; der entstehende Druck wird als CM-Prozent abgelesen.
Was es zeigt
Den Feuchtegehalt der Probe als Zahlenwert — das Verfahren, mit dem auf der Baustelle die Belegreife eines Estrichs beurteilt wird.
Wo die Grenze liegt
Zerstörend: Die Probe muss über die gesamte Schichtdicke aus dem Estrich entnommen werden. CM-Prozent und Masseprozent sind nicht dasselbe und dürfen nicht gegeneinander gesetzt werden.
Darr-Methode
Prinzip
Eine Materialprobe wird gewogen, bei einer festgelegten Temperatur bis zur Massekonstanz getrocknet und erneut gewogen. Die Differenz ist das enthaltene Wasser.
Was es zeigt
Den tatsächlichen Wassergehalt in Masseprozent — das Referenzverfahren, an dem sich die anderen messen lassen müssen.
Wo die Grenze liegt
Zerstörend, aufwendig und nicht sofort verfügbar; es braucht Waage und Trockenschrank. Die Trocknungstemperatur muss zum Material passen: Gipsgebundene Stoffe geben bei zu hoher Temperatur Kristallwasser ab und werden dadurch zu feucht gerechnet.
Kein Verfahren ersetzt ein anderes. Die zerstörungsfreie Messung findet die Zone, die zerstörende Messung liefert den Wert für die Entscheidung.
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Zum Formular- CM-Messung
- Die CM-Messung ist ein Baustellenverfahren zur Bestimmung der Feuchte in mineralischen Baustoffen. Eine abgewogene, zerkleinerte Probe wird in einem Druckbehälter mit Calciumcarbid zur Reaktion gebracht; das freigesetzte Acetylen erzeugt einen Druck, der über ein Manometer als CM-Prozent abgelesen wird.
- Ihre Bedeutung liegt in der Belegreife: Ob ein Estrich mit Parkett, Laminat, Fliesen oder einem elastischen Belag belegt werden darf, wird über den CM-Wert beurteilt — nicht über das Alter des Estrichs und nicht über ein Handmessgerät auf der Oberfläche. Die Probe muss deshalb aus dem unteren Drittel beziehungsweise über die gesamte Schichtdicke entnommen werden: Oben trocknet ein Estrich zuerst, und genau dort misst ein Oberflächengerät.
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Zum FormularWarum die Messstelle über das Ergebnis entscheidet
Wasser verteilt sich in einem Bauteil ungleich. Nach einem Leitungsschaden im Fußbodenaufbau steht das Wasser in der Dämmschicht unter dem Estrich, während die Estrichoberfläche längst trocken wirkt. Wer dort misst, misst die falsche Schicht.
Dasselbe gilt in der Fläche: Randbereiche an Außenwänden, Bereiche unter Möbeln und Zonen an Bauteilfugen trocknen anders als die Feldmitte. Eine einzelne Messstelle beschreibt deshalb einen Punkt, keinen Raum. Belastbar wird eine Aussage durch ein Raster mehrerer Punkte mit fester Lage, die bei jeder Kontrollmessung erneut angefahren werden.
Und schließlich braucht jeder Messwert einen Bezug. Ein Wert allein sagt wenig; ein Wert gegen eine Vergleichsstelle aus demselben Material im selben Raum, die nicht vom Schaden betroffen ist, sagt viel. Genau deshalb gehört die Vergleichsstelle ins Protokoll.
Was Sie von einem Messprotokoll verlangen können
Ein Protokoll, dem eine dieser Angaben fehlt, lässt sich später nicht nachvollziehen — weder von Ihnen noch von einer Versicherung. Fragen Sie danach, bevor die Geräte abgebaut werden.
- Datum und Uhrzeit jeder Messung, nicht nur der ersten.
- Eine Skizze oder Fotos mit der Lage der Messpunkte, dauerhaft nummeriert.
- Das Verfahren je Messpunkt und die Einheit des Werts — Anzeigewert, CM-Prozent oder Masseprozent.
- Die Entnahmetiefe beziehungsweise die Schicht, aus der die Probe stammt.
- Gerätetyp und Datum der letzten Kalibrierung.
- Raumtemperatur und relative Luftfeuchte zum Zeitpunkt der Messung, denn beide beeinflussen den Trocknungsverlauf.
- Mindestens eine Vergleichsstelle im selben Material, die nicht vom Schaden betroffen ist.
- Den Zielwert, bei dem die Trocknung beendet wird, und die Grundlage dieses Zielwerts.
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Zum FormularHäufige Fragen
Wie misst man Feuchtigkeit in einer Wand?
Zur Messung der Wandfeuchte werden vier Verfahren eingesetzt: die kapazitive Messung für einen zerstörungsfreien Überblick über die Fläche, die Widerstandsmessung für einzelne Punkte und Tiefen, die CM-Messung für einen Zahlenwert aus einer entnommenen Probe und die Darr-Methode als Referenz im Labor. Belastbar ist ein Wert erst zusammen mit der Angabe von Verfahren, Material, Messstelle und einer Vergleichsstelle.
Taugt ein Feuchtemessgerät aus dem Baumarkt?
Ein einfaches Gerät eignet sich, um Unterschiede innerhalb einer Fläche zu finden — feuchter hier, trockener dort. Es eignet sich nicht, um einen Feuchtegehalt in Masseprozent zu bestimmen oder eine Trocknung zu beenden. Die Anzeige ist ein Vergleichswert, den Salze im Mauerwerk, Metall hinter dem Putz und die Materialart verschieben.
Was ist der Unterschied zwischen CM-Prozent und Masseprozent?
CM-Prozent und Masseprozent sind zwei verschiedene Größen und nicht ineinander umrechenbar. Der CM-Wert stammt aus der Reaktion des Probenwassers mit Calciumcarbid, der Masseprozentwert aus dem Gewichtsverlust beim Trocknen. Für dasselbe Material fallen die Werte unterschiedlich aus; Grenzwerte gelten deshalb immer nur für das Verfahren, für das sie festgelegt wurden.
Wie oft sollte während einer Trocknung gemessen werden?
Eine Trocknung braucht mindestens eine Ausgangsmessung, regelmäßige Kontrollmessungen an denselben Punkten und eine Abschlussmessung, die das Ende begründet. Ohne Ausgangswert lässt sich der Fortschritt nicht belegen, und ohne Abschlussmessung fehlt der Nachweis, dass das Bauteil trocken war, als es geschlossen wurde. Der Abstand zwischen den Kontrollen gehört in die Auftragsbestätigung.
Was ist eine Feuchtigkeitsmessung am Bauteil?
Eine Feuchtigkeitsmessung bestimmt, wie viel Wasser in Wand, Estrich oder Deckenaufbau steckt — nicht in der Raumluft. Sie läuft als Verfahrenskette: Übersicht mit dem kapazitiven Messkopf, Eingrenzung der feuchten Zone, Beleg durch Widerstandsmessung oder Materialprobe. Was jedes Verfahren zeigt und wo seine Grenze liegt, steht in der Tabelle oben.
